Mutti goes Soccer, Part 2

Samstag. Es ist geschafft! Wir sind im Zug auf den Weg nach München! Mutti soll tatsächlich ihren Plan in die Tat umsetzen!
Und fällt gleich auf. War mir klar! So bin ich halt! Schon immer gewesen. Der Zug wackelt aber auch echt nervig bin und her! Ich will mich also abstützen und lange beherzt zu meiner rechten Seite. Dahin, wo ich die Armlehne eines anderen Fahrgastes vermute. Genau hinsehen tue ich ja nicht. Puh! Hat geklappt! Ich kann mich festkrallen! Irgendwie fühlt sich die Lehne nur eigenartig warm und sehr weich an! So anders.

Nun ja, der geschätzte 200-Kilo-Mann, dem ich wohl gerade unbeabsichtigterweise  den schönsten Moment seiner Reise verpasst habe, blickt mich nur sprachlos an. Da mir nun jedwede Reaktion meinerseits unpassend erscheint, suche ich mal lieber schnell mit den Kindern im Schlepptau das Weite. Um eines jedoch klarzustellen: Es war nur der Oberschenkel! Also beruhigt Euch wieder!

IMG_20180210_145618410_HDREine Weile vergeht dann möchte ich Kaffee. Nein ich brauche Kaffee!! Sofort! Der Zugbegleiter, ein hoch gewachsener, dunkelhäutiger Hüne, Typ Scherz-Keks, kommt treffenderweise gerade vorbei.
Doch muss mich der Eddy Murphy unter den Bahn-Bediensteten leider enttäuschen. Aufgrund der übertriebenen, schon nahezu nervtötenden, Fröhlichkeit glaube ich allerdings zuerst an Verarsche. Doch ist dem nicht so. Keinen Kaffee für die Mutti! Mein Geistesblitz kam schlichtweg zu spät. In fünfzehn Minuten sind wir bereits in München. Da ist halt schon Schicht im Schacht beim Transportunternehmen.
Er bietet mir stattdessen “Lachgummis“ an. Ein: “Tja Freundchen, von denen haste offensichtlich schon genug gehabt“..Nun, ich kann’s mir gerade noch verkneifen.

Wir sind in München.
An der U-Bahn-Station angekommen treffen wir abermals auf Humor. Auf zünftig bayerischen Humor.
Der jedoch erneut Hoffnung im Keim ersticken soll. Zwar nicht die auf Kaffee, aber die Hoffnung, mit den Kids per Untergrundbahn zu Hotel als auch zur Arena zu gelangen.
Am Bahnsteig erwartet uns schon eine riesige Menschentraube, als die Durchsage bei Einfahrt der U-Bahn-Linie ertönt:
“So! Leute! Neues Spiel, Neues Glück“
Das Ding ist berstend voll! So wie wohl alle vorherigen Linien, kann ja nicht von ungefähr kommen, diese Ansage.
No Way mit Kids da innerhalb der nächsten halben Stunde reinzugelangen! Kurzerhand beschließen wir also auf’s Taxi umzuschwenken.

IMG_20180210_180959058Schon von Weitem leuchtet er mir rot entgegen, der “Stern des Südens“.
Zeigt uns den Weg.
Ich blicke aus dem Taxi Fenster und wische mir den Schweiß von der Stirn. Nicht vor lauter Aufregung, sondern des Zwiebel-Looks wegen. Die vorhin noch hastig übereinander gezogenen tausend Schichten zeigen nun ihre Wirkung.

Hah! Geschafft! Ich sitze!
Mutti ist einer von fünfundsiebzig tausend Zuschauern.
So wird es mir berichtet. Und verblüfft stelle ich fest: So viele Einwohner zählt nicht einmal die Heimatstadt!
Als einer von vielen Stecknadelköpfen darf ich nun also den eigenen Horizont erweitern. Weit über die heiligen Stadion Wände hinaus. Welches mich irgendwie immer an ein aufgeblasenes, rotes, Gummiboot erinnert. Oder geht gerade jetzt doch der Jeck mit mir durch? 😉

Ich friere erstaunlich wenig. Was allerdings eben auch auf meine Kleiderwahl zurückzuführen sein könnte.
Und ich habe Pizza plus eine super Sicht! Darf sitzen, Leute beobachten und stelle jetzt schon fest:“Gar net SO schlecht, so’n Live Fussball-Spiel!“ 😉

IMG_20180210_181959116Zumal es ja ein, ich zitiere die Medien:
“Spitzen-Spiel zwischen dem Tabellen-Ersten und dem Tabellen-Fünften“ ist!
Nur ein wenig zu verhalten und gediegen geht’s mir zu! Hatte ich doch deutlich mehr Stimmung erwartet. Mehr Gegröle, irgendetwas, das mir das Ganze doch madig macht und unangenehm werden lässt. Nope! Nicht mal annähernd! Mutti fühlt sich pudelwohl! Könnten ruhig mal ein bisschen mehr Gas geben, die vom Erfolg verwöhnten Bayern-Fans! Neben mir sitzt der Große und erklärt mir fleißig. Wie kommt er eigentlich darauf dies bei mir tun zu müssen!? 😉

Später im Hotel angekommen, dürfen die Kinder Fernseh kucken. Und zwar was sie möchten! Triumphierend nehmen beide die Fernbedienung entgegen, während wir Eltern nicht weniger heroisch und siegessicher in richtig Spa ziehen! Hah! Win-Win-Situation! Rund sechzig Minuten bleiben uns für’s Planschen, Whirlpool, Sauna und Dampfbad. Dann macht’s zu. Ertrickste Zweisamkeit – das rockt!

Sonntag Morgen, kurz nach zehn.

IMG_20180211_103539228Beim Frühstück im Schwabinger Marriott Hotel ist es ungewöhnlich ruhig. Irgendetwas, Nein irgendwer (!) fehlt! Das wird mir nicht erst mit Blick auf das kleine Räumchen mit den Bunny -Aufklebern bewusst. “Spielraum“ nennt es sich. „Sie hätte sogar spielen können während wir chic frühstücken!“, schießt es mir unweigerlich voller Reue und geplagt vom schlechten Gewissen durch den Kopf! Und muss dabei schwer schlucken! Doch das ist gar nicht nötig. Der Kleinsten, die ja zu Hause blieb, geht’s wunderbar bei der Oma! Das hat diese uns eben erst versichert.

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Und so kann ich genießen!
Muss mit niemanden auf’s Klo gehen und bei der Essens-Auswahl helfen. Die Großen können’s mittlerweile selbst. Wenn das nicht cool ist!
So habe ich Zeit, das zu tun was ich beim Hotel-Frühstück am liebsten mache:
Leute glotzen!

Während ich also mein Bircher Müsli löffele erspähe ich eine Familie am Nachbartisch. Ich esse im Hotel übrigens immer Bircher-Müsli. Und zwar nur dort. Ist so’n Tick. Ähnlich wie das Tomatensaft-mit-Salz-und-Pfeffer-trinken im Flugzeug. Hirn sagt: Gehört hierhin. Muss jetzt so sein.
Ebenso staunt mein Hirn über die zwei Riesen Teenager-Mädels am Tisch der Familie! Sind die groß! Und soo teenagerig! Noch ein paar Jährchen und uns wird’s genauso gehen. Nochmals muss ich schlucken! Da nimmt die fünfköpfige Familie ganz andere Dimensionen an! Apropos Dimensionen: Zwei Tische weiter frühstückt ein Pärchen. Zumindest gehe ich der Annahme, dass es sich um ein Paar handelt, gehen die beiden doch recht vertraut miteinander um. Nicht verheiratet! Definitiv! Die reden nämlich die ganze Zeit noch miteinander! 😉
Was das jetzt mit Dimensionen zu tun hat? Nun, ER ist gewaltig! Sehr gewaltig. Wieder um die geschätzte 180 kg. SIE dagegen bringt eindeutig keine 60 kg auf die Waage. Äußerst attraktiv ist sie zudem. “Dass die noch lebt!“ Schon wieder so ein Gedanke, der mir jetzt durch den Kopf schießt.
Nun zwinge ich meinen Gatten hinzuschauen.
Nicht zum außergewöhnlichen Pärchen, aber zu einer Dame vom Service-Personal. Das machen wir Frauen gerne. Wir zwingen die eigenen Ehemänner dazu, andere Frauen zu begaffen. Tun sie es allerdings aus freien Stücken, so gibt’s eins auf die sabbernd untreue Mütze! ICH finde sie sieht albern aus in ihrem viel zu knappen Kostümchen. Sie hingegen hält sich vermutlich für unheimlich sexy! “Ob ich ihr sage, dass der Knopf gleich abplatzt?“, überlege ich kurz. Meine Gedanken werden vom Gatten unterbrochen:
“Bestimmt kriegt sie bald ihre Tage und ist deshalb so fett!“. Der Seitenhieb saß. Das muss er so sagen, leidet er doch Monat für Monat unter der über Nacht erfetteten Gattin! Erst lache ich lautstark, dann dämmert’s mir allmählich und ich schlurfe motzend meinen Kaffee. Dieses ganze Szenario wird den beiden großen Kindern mittlerweile zu langweilig und zu nervig. Sie verschwinden auf’s Zimmer.

PicsArt_02-11-01.38.24Keine Fußballspiel-Länge später sitzen wir alle wieder im Zug.
Viel Raff vom Ballsport an sich habe ich noch immer wenig. Macht aber nix, muss ich feststellen. Den braucht’s auch gar nicht, um verstehen zu können was das Erlebnis “Live Bundesliga Spiel“ so besonders macht. Entweder es zieht Dich in seinen Bann oder eben nicht! So einfach ist das. Und so sitze ich hier und plane. Überlege, wann das nächste Spiel ist, was es genau kostet und wer mit MIR hinfährt! Und summe heimlich vor mich hin: “FC Bayern, Stern des Südens. Du wirst niemals untergehen….“ “und die Mutti ganz bald wieder Lederhöschen sehen..“

Eure

Alex

 

 

 

 

 

 

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6 Gedanken zu “Mutti goes Soccer, Part 2

  1. Das mit den Hotel- (oder gerne auch Café-) Bedienungen stelle ich auch immer wieder fest. Der schwarze kurze Rock steht nicht jeder, auch nicht kurz vor’m Rentenalter.

    Ja, und was macht das „Erlebnis“ im Stadion nun für Dich aus?

    Gefällt 1 Person

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